• Falsche Entscheidungen

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     Was ein schöner Waldausflug hätte werden sollen, wurde zu einem, der sehr schnell zu Ende war.  

    In letzter Zeit lief es gut, ich hatte einen Modus gefunden, bei dem wir zuerst eine halbe Stunde lang in der Halle traben und galoppieren würden. Dann draußen, langsam steigernd. Zuerst Trab im Wald. Später außerhalb des Waldes versuchen wir es im Galopp, sehr subtil, sehr zivilisiert. Dann Galopp im Wald, herrlich, so ordentlich, so brav. Schön, den Moment zurückzunehmen, als ich dachte, es reicht für einen Moment.  


    01.03.2021 Das erste Mal wieder im Wald fahren, es waren 100 Meter, aber wir haben es geschafft!

    Bis letzten Mittwoch, meine Katze wurde plötzlich sehr krank, fast tot (übrigens jetzt vollständig erholt, nichts zu sehen). Also dachte ich, schöner Ausritt mit An, einfach mal die Gedanken sortieren, die Ruhe des Waldes. Einreiten in der Reithalle? Nein, keine Lust, das ist immer anstrengend. Im Wald angekommen, versuchte ich es mit Galopp, Gelände war mein Plan. Bald wollte er nicht mehr dorthin, wo ich hinwollte. Ich habe mehrere Wege ausprobiert, Andor wollte nach Hause gehen. Na ja, es muss meine Traurigkeit sein, er spürt das und denkt, es ist besser, wenn wir nach Hause gehen. Also schritt ich leise nach Hause.

    Heute war ich wieder unterwegs. In der Manege? Nein, Junge, das können wir probieren, hat das nicht so gut geklappt? Das kriegen wir schon hin. Gesagt, getan, wir machen uns auf den Weg. Wir sind gerade von zu Hause losgefahren und Andor wiehert die Zurückgebliebenen an. Ach wie süß, das macht er sonst nie. Muss daran liegen, dass wir gerade einen Neuzugang in der Herde haben. Wir gehen weiter, außerhalb des Waldes traben wir, ein kleiner Galopp, ja es fühlt sich gut an, ein bisschen zu schnell, aber wir haben ja gerade erst angefangen, was willst du? Wir treffen auf einen schönen Tinker, der mit seinen Besitzern spazieren geht. Das macht Andor ein bisschen unruhig, er will sich umdrehen und wiehert immer noch. Ist das neu, können wir plötzlich nicht mehr alleine rausgehen? Na gut, traben wir los in Richtung Wald. Am Wald angekommen öffnen wir vom Pferd aus das Tor, sehr professionell! Wir werden es schaffen! In den Wald hinein, nur ein schöner Trab. Wurde eine Art Gangart zwischen Trab und Galopp. Alle Schilder an der Wand. Mwa, als wir auf dem langen Weg um die Ecke kamen, konnten wir ganz gut galoppieren. Gute Idee! Da waren wir, pfeilschnell! Unaufhaltsam, erst noch schön in den Steigbügeln. Der Sattel rutscht ein bisschen nach vorne, ooh nicht so sicher. Wir hielten einen Moment an, Andor war müde. In der Ferne auf dem Weg andere Pferde in Sicht. Oh nein, nicht praktisch, lass uns umdrehen und einen Platz suchen, bumm, weg war Andor. So schnell, dass die App 37,0 Stundenkilometer anzeigt. Wir nähern uns dem Ende des Weges. Währenddessen: sitzen bleiben, zurückbleiben, Beine lang, Hände tief! Panik macht sich breit, ich ziehe an den Zügeln, hoooo! Andor, hoooo!!!! Kann ich noch lauter schreien? Panik! Um die Kurve, Volte drehen? Wohin? 0% control, just go. Hooo, Andor! Ein Läufer auf dem Weg, der zum Glück gemerkt hat, dass ich außer Kontrolle bin. Tritt freudig zur Seite. Sattel rutscht noch weiter nach vorne, zum Glück gibt es Vorderbeine, sonst hätte ich mich auf seinen Hals gesetzt. Noch eine Kurve herum, pfeilförmig. Mittlerweile habe ich meine Steigbügel verloren, aber ich sitze noch! Gott sei Dank, für meinen Sitz. Ah, wieder der Zaun, da wird er anhalten. Er wird doch anhalten, oder? Nicht über das wilde Gitter Andor! Auf den Zaun zu, “lenken”. Da ist der Zaun, Notstopp, und Ruhe. Ich noch drauf, Andor röhrt. Schnell absteigen, pfff, raus aus dem Wald. Gehen eine Weile grasen. Wir haben überlebt.... Ich habe überlebt....  

    Auf dem Heimweg, schweigend nebeneinander, ohne Worte. Den Kopf auf den Boden, traurig, die Tränen in sich behaltend. Eine süße kleine Nase an meiner Hand, sorry Chef. Es ist alles in Ordnung, mein Lieber, nicht deine Schuld.... 

    Seufz, da war mein Vertrauen wieder dahin. Aber wieder zurück und wieder aufbauen. 

    Ich schrieb den obigen Text im Juli 2019, kurz nach dem Vorfall, Andor war gerade 4 Monate bei mir. Immer noch mit schlotternden Knien, einem Knoten im Magen und Tränen auf den Wangen beschrieb ich, was passiert war. Ich bin immer noch sehr froh darüber, denn ich kann es jetzt im Nachhinein analysieren, mit dem Wissen, das ich jetzt habe. Damals konnte ich nicht ahnen, welche Folgen dies haben würde. Dieser Vorfall war der Auslöser für eine erhebliche Fahrangst. Ich verfolgte mehrere Challenges, las Bücher und besuchte Webinare. Ich ließ mich sogar von 2 Coaches beraten, um die Sache wieder in den Griff zu bekommen. Denn trotz der Angst wollte ich wieder in die Wälder reiten, das ist mein Traum, ich will es! Justus schlug immer wieder vor, ich solle Andor einfach verkaufen, aber das wollte ich nicht, das konnte ich nicht. Ich habe eine Menge gelernt. Was mich am meisten überrascht hat, ist, dass ich damit nicht alleine bin. So viele Leute haben sich auch für eine “Ich will wieder entspannt reiten”-Challenge angemeldet. Wenn man sich in den sozialen Medien umschaut, scheint man der Einzige zu sein, der ein paar Schritte auf dem Reitplatz (wenn überhaupt) mit gebeugten Knien macht. Der Rest des pferdebegeisterten Hollands galoppiert am Strand mit Blumen im Haar in den Sonnenuntergang.... 

    Aber Sie sind mit dieser Angst nicht allein, das ist die gute Nachricht. Und du kannst sie definitiv auch loswerden. Ich reite nach 2 Jahren endlich wieder eine Stunde alleine draußen. Habe vor kurzem auch wieder mit einem kleinen Galopp im Wald begonnen. Davor habe ich immer noch einen Knoten im Bauch. Aber wenn man erst einmal unterwegs ist, ist es gar nicht mehr so schlimm. Und hinterher bin ich super stolz und glücklich, dass wir es geschafft haben.

     

    Tipps, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

    • Schämen Sie sich nicht für Ihre Ängste, viele Menschen machen diese Erfahrung, sprechen Sie darüber und suchen Sie professionelle Hilfe.
    • Steigern Sie sich in kleinen Schritten, je nach Ihrer Angst, das Aufsatteln und Aufsteigen ist ein Anfang.
    • Dadurch, dass ich viel über das Verhalten von Pferden von einem Fachmann für Pferdeverhalten mit einer soliden Ausbildung gelernt habe, bin ich viel besser in der Lage, Spannungen bei meinem Pferd zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen.
    • Absteigen ist nicht gleichbedeutend mit dem Verlust des Pferdes! Manchmal ist es eine weise und sichere Entscheidung, abzusteigen. Und das Pferd durch den Abstieg zu unterstützen ist meiner Meinung nach sogar ein Gewinn!
    • "Müssen" Sie sich nicht zu sehr, sondern haben Sie wieder Spaß und entspannen Sie sich. Und manchmal tut man das, indem man zur Abwechslung mal etwas ganz anderes mit seinem Pferd macht.

    Mit erleichterten Grüßen, Shanna